Radionuklidtherapie

Lutetiumendoradiotherapie

Das Radionuklid Lutetium eignet sich bestens, um – einmal in den Körper injiziert – gemäß dem Schlüssel-Schloss-Prinzip palliative Beta-Strahlung direkt in den Tumor einzuschleusen. Diese Strahlung mit extrem kurzer Reichweite bekämpft Tumoren und schont gleichzeitig umliegendes Gewebe. Die in geringen Mengen ebenfalls abgegebene Gammastrahlung kann unter anderem mittels Szintigraphie in Bilddaten umgewandelt werden. Hierdurch ist es möglich, die optimale Verteilung des Medikaments auch während der Behandlung zu überwachen.

Am DTZ Berlin kommt für Patienten mit einem neuroendokrinen Tumor (NET) 177Lutetium-DOTATOC zum Einsatz, für Patienten mit einem metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinom 177Lutetium-PSMA.

Die 177Lutetium-DOTATOC-Endoradiotherapie eignet sich für Patienten mit einem NET, bei denen die therapeutischen Optionen ausgeschöpft sind, bzw. mit langsam wachsenden Tumoren oder Metastasen, die kaum auf eine Chemotherapie reagieren. Hierfür wird das  schwach radioaktive Lutetiumisotop mit einem Somatostatin-Analogon, dem DOTATOC, gebunden, das gezielt an die Somatostatin-Rezeptoren der Zelloberfläche neuroendokriner Tumoren andockt und so punktgenau bestrahlen kann.

Für Patienten mit einem metastasierten Prostatakarzinom, bei denen Hormon- und Chemotherapie nicht mehr wirken, kommt hingegen die  177Lutetium-PSMA-Endoradiumtherapie zum Einsatz. Die Tumorzellen dieses Krankheitsbildes verfügen über eine hohes Aufkommen des Eiweißes PSMA auf ihrer Zelloberfläche. 177Lu-PSMA bindet sich an diese Substanz, sodass die Radioaktivität direkt auf das Tumorgewebe (Knochen, Weichteile, Lymphknoten) einwirken kann mit zumeist sehr gutem Ansprechen in Form eines Rückgangs der Tumormasse und der oft sehr starken Schmerzen.

Um den Tumor mit all seinen Absiedlungen zu lokalisieren, ist – im Sinne der Theranostik – vor der Behandlung eine sichere Ausbreitungs-diagnostik mit PET/CT oder PET/MR ratsam.


Abb.: Skelettmetastasen vor 177Lu-PSMA-Therapie


Abb.: Skelettmetastasen nach 177Lu-PSMA-Therapie

Radiumtherapie

Ein weiteres radiologisches Therapeutikum zur Behandlung von Skelettmetastasen in Verbindung mit einer Prostatakrebserkrankung ist 223Radium-Dichlorid (Xofigo®). Seit 2014 wird am DTZ Berlin die Behandlung symptomatischer Knochenmetastasen beim kastrationsresistenten Prostatakarzinom mit diesem Medikament, das sich vorrangig durch seine Ähnlichkeit zu Kalzium in den Knochen anreichert, angeboten.

Voraussetzung hierfür ist, dass die Tumorabsiedlungen auf den Knochen beschränkt sind. Ziel  der Bestrahlung von innen ist die Hemmung  des Wachstums der Knochenmetastasen. Damit einhergehend sollen auch Schmerzen gelindert und die Stabilität der Knochensubstanz erhalten werden. Dem Patienten werden im Abstand von vier Wochen sechs Dosen intravenös verabreicht. Durch die extrem kurze Reichweite dieses Radionuklids ist die Wirkung auf das Blutbild minimal, jedoch sind zur Schonung des Darms mehrere Behandlungen notwendig.

Samariumtherapie

153Samarium-Lexidronam ist bis heute ein wichtiges Medikament für die Radionuklidtherapie von Knochenmetastasen verschiedenster Tumorerkrankungen. Der Trägerstoff Lexidronam ähnelt in seiner Struktur Phosphat. Das radioaktive 153Samarium-Lexidronam reichert sich in den stoffwechselaktiven Metastasen an, die Phosphat zum Aufbau benötigen, und bestrahlt so das kranke Gewebe direkt von innen. Da es nur eine Reichweite von wenigen Millimetern besitzt, bleibt einerseits die Wirkung weitgehend auf die malignen Zellen beschränkt, andererseits
ist die Therapie dadurch risiko- und nebenwirkungsarm. Aufgrund einer möglichen vorübergehenden Beeinträchtigung der Blutbildung sollte jedoch nicht gleichzeitig eine Chemotherapie erfolgen.

Radiosynoviorthese (RSO)

Bei trotz medikamentöser Behandlung und Kortisoninjektion anhaltenden Gelenkschmerzen empfiehlt sich die Behandlung mittels Radiosynoviorthese  (RSO). Dieses seit über 50 Jahren angewandte Therapieverfahren ist eine effiziente, kostengünstige und sichere Methode zur lokalen Behandlung von chronisch-entzündlichen Gelenkerkrankungen. Die schmerzarme Therapie kann ambulant und auch  bei mehreren Gelenkentzündungsherden gleichzeitig durchgeführt werden. Als alternativer oder ergänzender Therapieansatz kann die RSO so einen wichtigen Beitrag zur Linderung von Symptomen und zur Verbesserung der Lebensqualität leisten.

Am DTZ Berlin wird die Gelenktherapie mittels 90Yttrium (Kniegelenk), 186Rhenium (Schulter) sowie 169Erbium (kleine Gelenke, z. B. Daumensattelgelenk, Fingergelenke) durchgeführt.